Berthas Talente

An unserer Schule gibt es viele Talente, von denen wir immer mehr Ideen bekommen. Wenn ihr eine spannende Geschichte, ein schönes Gedicht oder andere interessante Texte lesen wollt, seid ihr hier richtig!

 

 

Kreatives Schreiben mit Crauss

Die Welt steckt voller Geschichten, die man nur entdecken muss. Der Siegener Dichter Crauss (www.crauss.de) hat im Schuljahr 2017/18 mit Kreativen der achten bis zehnten Klassen im Rahmen des Landesförderprogramms »Kultur und Schule« das Erfinden von Geschichten bzw. von Gedichten ausprobiert.

 

Um Abenteuer zu erleben, muss man nicht nach Werweißwo reisen. Für Hannah Lück (10 d) beispielsweise reichte ein Blick aus dem eigenen Fenster aus. Ihre Protagonistin kann sich zunächst kaum aufraffen, geht dann aber in ein Restaurant, um zwei mysteriöse Gestalten zu treffen:

 

»An ihrem Tisch angekommen, warteten dort bereits zwei Männer auf sie. ›Willkommen, Akane! Setz dich doch!‹ Sie tat es. Die beiden waren ungefähr in ihrem Alter, einer von ihnen hatte kurze braune Haare, welche er hochgestylt hatte. Sein Gesicht war kantig und er hatte einen Dreitagebart. Er hatte sie gerade mit Akane angesprochen, ihrem, wie sie es gerne nannte, Künstlernamen. Ihren richtigen Namen hatte sie schon lange vergessen.

Der andere Mann hatte seine Haare an den Seiten abrasiert, oben hatte er lange, dunkelblaue Haare, welche zu einem Zopf gebunden waren. Er hatte blaue Augen und ein schmales Gesicht. »Wollen Sie etwas bestellen?« kam es plötzlich von einer Kellnerin neben ihr. »Akane, was möchtest du denn bestellen?« fragte der andere Mann, »wir wollen ja kein Aufsehen erregen.« […] »Also, da wir erstmal Ruhe haben, können wir jetzt zum Geschäft kommen. Wir haben da einen Auftrag für dich. Die Zielperson ist ein reicher Geschäftsmensch. Sie ist im Drogen- und Menschenhandel tätig.« Der Mann schob einen Briefumschlag zu ihr über den Tisch. »Hier sind alle restlichen wichtigen Informationen drin. Außerdem findest du dort den Schlüssel zu einem Bankfach […]«

 

Crauss unterrichtet seit vielen Jahren Kreatives Schreiben an der Siegener Uni und an verschiedenen Schulen. Als Schriftsteller hat er sich im gesamten deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht, unter anderem durch die Übertragung von Techniken neuer Medien (Remix, Videoschnitt) auf Gedichte. Seine Schreibkurse sind für Erwachsene gleichwie Schüler frei buchbar als Tages-, Wochenend- oder Schuljahres-Workshop.

Das gegenseitige Vorlesen, Diskutieren der Texte und eventuell eine Schlusspräsentation machen aus einer anfänglich vagen Idee eine lebendige und am Ende wertgeschätzte Arbeit, die über die Workshopdauer weit hinausreicht. So werden die Mitwirkenden über den Kurs hinaus motiviert, ihren Talenten zu vertrauen und weiterhin künstlerisch tätig zu sein.

 

Diskussionsfreudig waren auch die Bertha-Schreiber in der Kreativ-AG mit Crauss. Mal ging es darum, wie eine Figur in einem Text aussieht, wie sie heißt – oder es wurden gleich die ganz großen Fragen besprochen: Wo endet die Welt? Jana Pitzer (8 d) schreibt:

 

Die Welt eine Kugel, eine nie endende Strecke der Lebenden, aber irgendwo, irgendwann ist auch dort mal Schluss. Vielleicht ist das Ende der Welt nichts anderes als der Tod. Welcher? Ist egal! Der eines Tieres, eines Menschen, der Menschheit. Alles hat ein Ende: der Fluss, der Baum, das Leben, alles. Und vielleicht auch die Welt. Selbst wenn es das Tor zur Hölle ist. Die Hölle - *huh*  - wieder eine Frage: Existiert sie? Existiert der Teufel? Der Himmel? Das Land der Toten? Hat die Welt ein Ende? Viele Fragen und nicht eine Antwort. Doch das sollte sich schlagartig ändern ...

 

War in der Schreibwerkstatt einmal ein Thema gefunden, war kaum einer von Stift und Papier wegzubekommen. Bei den jeweils zweistündigen Treffen mit Crauss entstanden seitenweise Gedichte, Lieder auf englisch und Anfänge von Stories.

 

Dabei hatte jeder seine Freiheit. Jan-André Brand (10 d) machte zum Beispiel aus einem Missverständnis  (statt ein Haiku mit begrenzten 17 Silben schrieb er ein Mini-Gedicht mit nur 7 Silben) ein über alle Maßen kräftiges Protestgedicht (siehe Bild). Katharina Greil (10 e) verfolgte das gegenteilige Ziel und arbeitete an einem spannenden Projekt, das bereits jetzt auf Romanlänge anwächst:

 

Der glutrote Schimmer der Abendsonne legte sich wie ein flackernder Mantel über die aschigen Trümmer und tauchte die von Schutt übersäte Landschaft in ein bizarres Schauspiel der Schönheit.

So schnell wie ihre sehnigen Kinderbeine sie trugen, lief das dürre Mädchen über die verbrannte Ebene, dabei stoben ihre nackten Füße Asche auf, die von der glühenden Sonne in ein leuchtendes Orange eingefangen wurden, wie prasselnde Feuerfunken, durch die staubige Luft tanzend. Mit rasendem Atem sprang sie über die Trümmerreste, […] kletterte flink an den eingestürzten Häuserfassaden hinauf und stemmte sich mit ihren schmalen Fingern an Rillen und bröckelnden Fassadenornamenten hoch, um auf das blecherne Dach zu gelangen. […]

Um Gleichgewicht zu halten, streckte sie ihre Arme aus, als wären es die Schwingen eines riesenhaften Vogels, ihre ausgebeulte Lederjacke rutschte über ihre Hüfte wie ein knielanges Kleid und bildete eine eigenartige Gegensätzlichkeit zu ihren schmalen Fingerspitzen, die aus den weiten Ärmeln hervor lugten, als sie über den hölzernen Vorsprung balancierte und sich in ein klaffendes Loch in der Hauswand schwang.

Im Inneren hockte eine junge Frau inmitten einer verschütteten Bibliothek. Kalk rieselte über die turmhohen Holzgestelle und bedeckte die Bücherrücken mit einer bröseligen Schicht wie grobkörniger Sand. Als wären sie mit deckend schwarzer Farbe angestrichen, reihten sich die angesengten Regale nebeneinander und stützten die antiquarischen Bände, die zwar von Aschestaub überzogen waren, ansonsten vollkommen unbeschädigt schienen. Tatsächlich war die Ascheschicht so dünn, als würden die Bücher täglich abgestaubt, oder mit neugierigen Fingern aus den Fächern gezogen werden, um Halt zwischen den bedruckten Seiten zu finden, in einer Welt aus Trümmern und Asche.

 

Neben dem Schreiben und Diskutieren der selbstgeschriebenen Texte präsentierten die Teilnehmer des Kreativ-Workshops mit Crauss ihre Ergebnisse beim bunten Abend an der Bertha und trafen sich auch immer wieder an inspierierenden Orten, etwa im Siegener Antiquariat Nassauer, in Crauss‘ eigener Hausbibliothek und zum Abschlusspicknick auf einer der Wiesen in der Umgebung der Schule.

 

»Ein Buch ist der Versuch, etwas Unbändiges einzufangen. Ein Buchladen strahlt dies alles wider. Jede Geschichte, ob groß oder klein, ob Altes oder Neues. Der erste Eindruck war: gemütlich, behaglich, klein. Es lässt sich am besten Geschichten ausdenken, wenn man mitten in ihnen sitzt. Insgesamt fand ich die Idee [ein Antiquariat zu besuchen] gelungen und mir hat es dort gefallen«, sagte John Kruczinna (10 d) über den Besuch im Antiquariat, und Jan-André Brand stimmte ein: »Der Besuch war sehr schön. Die Stimmung war gelassen, es herrschte eine ruhige Atmosphäre und auch der Antiquar war sehr freundlich. Jeder trug etwas zur positiven Stimmung bei. Ich fand die Aktion gut, da man neue Autoren, Bücher und Geschichten kennenlernen durfte. Man erfuhr viel, und auch wenn manches nicht mein Fall war, interessierte ich mich doch dafür. Dadurch, dass die Räumlcihkeit sehr eng war, saßen wir nah zusammen, was ein schönes Beisammensein war.«

 

Ein ähnlich schönes Beisammensein hatte die Schreib-AG als ein Kollege von Crauss, der Schriftsteller Mario Osterland, aus Erfurt zu Besuch kam. Die wichtigste Frage an ihn war natürlich, wie er selbst angefangen habe, kreative Texte zu schreiben. Herr Osterland las aus seinem neuesten Buch vor und die Schüler der Bertha schlossen sich gleichberechtigt mit eigenen Werken an.

 

So setzt sich hoffentlich auch im nächsten Schuljahr die AG KREATIVES SCHREIBEN fort.

Wer interessiert ist mitzumachen, kann sich bei Frau Siebert, Frau Siebel oder bei Frau Brockhaus melden.

Vorkenntnisse sind nicht wichtig, bloß Spaß am Geschichten-Erfinden sollte man haben.

 

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Tipps und Tricks für tolle Zeichnungen

Ihr wollt wissen, wie ihr eure Zeichnungen verfeinern könnt?

Dann habt ihr hier die richten Tipps und Tricks, um kreativ zu werden:

            

 

Tipp 1. Wenn euch die Ideen ausgegangen sind, dann holt euch Anregungen im Internet und verändert sie nach eurem Geschmack.

 

Tipp 2. Denkt nicht darüber nach, was ihr zeichnen wollt, sondern zeichnet nach eurem Gefühl.

 

Tipp 3. Wenn ihr etwas zeichnet, dann zeichnet eine Form vor, damit ihr wisst wie die Pose ist und was genau ihr zeichnen wollt.

 

Tipp 4. Berate dich mit Freunden und probiere die verschiedenen Maltechniken von ihnen aus. Falls sie auch zeichnen, haben sie bestimmt eine Technik.

 

Tipp 5. Überlege dir, welche Maltechnik dir am besten gefällt. Wenn du sie gefunden hast, finde heraus womit du sie am besten umsetzt.

 

Tipp 6. Zeichne die richtige Form mit einem spitzen Bleistift, drücke nur leicht auf, damit du gut radieren kannst.

 

Lena & Jessica

 

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Der Fjord

Ich ruderte den Fjord entlang. Sollte ich das wirklich tun? Mich würde es befreien, doch was ist mit den Anderen. Ihnen würde das nicht helfen. War ich egoistisch? Ich hätte auch bleiben können, denn das hätte keinen Unterschied gemacht. Wahrscheinlich würde ich es nicht schaffen. Aber egal ob ich es überleben sollte oder nicht, im Gegensatz zu den Anderen war ich erlöst. Hätte ich nicht nur an mich gedacht, wäre ich jetzt nicht allein. Vielleicht wäre ich dann jetzt noch an dem schrecklichen Ort, wo die Anderen verzweifelt auf Hilfe warten. Sollte ich umkehren?

Nein, dazu war meine Angst zu groß. Und was würden sie mit mir machen wenn ich zurückgehen würde? Ich wollte in Freiheit sterben.

Die Sonne ging unter und es wurde kalt, sehr kalt. Doch es war besser, als an dem schrecklichen Ort. Überall war es besser, als an diesem Ort. Ich ruderte weiter den Fjord entlang. Der Fjord wurde breiter und ich fuhr aufs offene Meer hinaus. Ich musste runter von der Insel. Der Weg zum Festland war weit aber zu schaffen. Die Wellen schaukelten mein Boot hin und her. Langsam zweifelte ich an meinem Vorhaben, aber ich musste von hier weg. Ich kämpfte gegen die Wellen. Nur noch ein bisschen, bis ich das offene Meer erreicht hatte. Die Wellen schlugen gegen mein Boot und trieben mich weiter aufs Meer hinaus. Ich fror, doch es war besser als an diesem Ort. Ich hatte Angst. Angst davor, dass sie mich finden würden und ich zurück an diesen schrecklichen Ort müsste.

Und plötzlich liefen mir Tränen über die Wange. Ich hörte auf zu rudern und blickte nach oben. Es war Nacht und tausende Sterne funkelten am Himmel. Für einen kleinen Augenblick verdrängte der schöne Anblick die Angst. Es war viele Monate her, als ich die Sterne das letzte Mal sah. Ich bekam Hoffnung. Ich würde es schaffen. Ich fing wieder an zu rudern. Doch plötzlich wurde es wieder dunkler. Ich blickte nach oben und die Sterne waren verschwunden. Dicke Wolken zogen auf. Wieder bekam ich Angst. Die Wellen wurden höher und der Wind wurde stärker. Wasser wurde in mein Boot geschleudert. Ich hatte Angst. Aber ich wollte es schaffen und ich wollte leben.

Mein Boot wurde hin und her getrieben. Es fing an zu regnen. Der Wind wurde stärker und es wurde dunkler. Ich gab das rudern auf und legte mich ins Boot. Warum ich so schnell aufgab, wusste ich nicht. Ich wollte es doch schaffen. Vor Angst zitternd lag ich da. Ich wollte mich aufsetzen, doch mein Körper rührte sich nicht.

Ich fror, aber trotzdem war ich irgendwie Glücklich. Schließlich war ich frei. Inzwischen tobte ein Sturm. Doch trotz der Angst bereute ich meine Entscheidung nicht. Ich war frei. Das Wasser in meinem Boot stieg. Völlig hoffnungslos gab ich auf. Ich würde es nicht schaffen und konnte nichts tun. War das die Strafe dafür, dass ich mich selbst an erste Stelle stellte und die anderen zurückließ? Es musste so sein. Also schloss ich die Augen und überließ mich meinem Schicksal.

 

Lara

Der Fjord - Eine Ballade

Ich ruderte den Fjord entlang.

Kühler Wind ließ mich erschaudern. Die langen

Schatten der großen Schiffe streiften mein kleines

Boot.

Ich ruderte den Fjord entlang.

Die Sonne ging unter langsam. Wurde es dunkler.

Ich ruderte den Fjord entlang.

Die Schatten wurden länger. Der Wind wurde stärker.

Ich ruderte den Fjord entlang.

Der Fjord wurde breiter. Wellen schlugen gegen mein

Boot und trieben mich hinaus aufs Meer.

Ich ruderte den Fjord entlang.

Ich ruderte nicht mehr.

Der Wind wurde stärker. Die Schiffe verschwanden.

Die Wellen trieben mein Boot.

Ich sah den Fjord nicht mehr. Es war stockfinster.

Die Wellen trieben mein Boot.

Die Sternen funkelten. Die Wellen wurden höher.

Die Wellen trieben mein Boot.

Die Sterne verschwanden. Meerwasser in meinem

Boot.

Die Wellen trieben mein Boot.

Mein Boot kippte.

Die Sorgen verschwanden.

 

Leise schwebt der Ballon.

Leise steigt er empor. höher, immer höher

Leise schwebt der Ballon.

Leichter Wind lässt ihn treiben. weiter, immer weiter

Leise schwebt der Ballon.

Endlos erstreckt sich der Horizont. weit, sehr weit

Leise schwebt der Ballon.

Es ist leise über den Wolken. leise, sehr leise

Leise schwebt der Ballon.

Nichts außer Himmel. nichts, rein gar nichts

Leise schwebt der Ballon.

einsam, sehr einsam

 

Lara

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